© tauReif
 

Säufer

Er sitz artig am Nachmittag,
eingezwängt im Kaffeetisch.
Er trägt artig weiße Strümpfe
Und wäscht artig sein Gesicht.
Wenn er lacht, wird er’s verstecken,
wenn er weint, sieht niemand zu.
Wenn er Wärme braucht, gibt’s Fernseh’n,
wenn er spielt, dann drückt der Schuh.

Nur schön brav sein in der Ecke.
Keinen hat je interessiert,
was er will und was ihn ängstig,
welcher Traum sein Denken ziert.
Manchmal hagelt’s ein paar Schläge,
schön versteckt, daß man’s nicht sieht.
Doch die Kälte ist viel übler,
derer man das Kind erzieht.

Jede Lust wird ihm gebrochen,
jedes Wort ist schon zuviel.
Kinderträume zwischen Spielzeug
Sind erstarrt und ohne Ziel.

Am Nachmittag seines Lebens
Ist er immer noch nicht frei,
schlägt verzweifelt seine Wangen,
weint sich aus im Gesternbrei.
Kindertage ohne Liebe,
Kinderwelten ohne Glück,
hundertfach in bied’ren Stuben,
saufen sich ins Glas zurück.