© tauReif
 

Koffer in der Hand

Ich glaubte wirklich, bei dir zu wohnen.
Die Koffer stelltest du vor die Tür.
Die Koffer standen seit langem im Regen,
und der Regen spülte dich fort von mir.
Bisweilen gelangt der Verstand in die Gosse.
Du stehltest dich fort, hast die Photos verbrannt.
Unsere Koffer, sie standen seit langem im Regen,
und ich hab ihren Inhalt zu spät wohl erkannt.

Verdorrt unser Land, verdorrt unsere Kehlen.
Dein Name veränderte sich mit der Zeit.
Deine Tür, rot gestrichen, wirkt so ordentlich sauber.
Dein Gesicht hast du gestern seines Zaubers befreit.

Zahl’ wohl den Preis, den die Sache verdiente.
Find ihn zu hoch, denn die Koffer sind leer.
Aus ihren Schlössern fließt dummes Gerede,
drum scheinen sie mir für’s Tragen zu schwer.
Übers Treppengeländer werf’ ich sie in den Keller,
klingle alle Leute im Haus aus dem Schlaf.
Deine Tür bleibt verschlossen, dein Schild mit dem Namen
Verwelkt vorm Spion wie trockenes Gras.

Verdorrt unser Land, verdorrt unsere kehlen.
Dein Name veränderte sich mit der Zeit.
Deine Tür, rot gestrichen, wirkt so ordentlich sauber.
Dein Gesicht hast du gestern seines Zaubers befreit.

Ich hock’ im Keller, die Koffer vermodern.
Seh dich in ihnen und sehe dich nicht.
Ans Kellerfenster klopft sachte der Regen.
Meinte zu früh, es wär dein Gesicht.
Bisweilen gelangt der Verstand in die Gosse.
Du stehltest dich fort, hast die Photos verbrannt.
Unsere Koffer, sie standen zu lange im Regen,
und ich hab ihren Inhalt zu spät wohl erkannt.

Verdorrt unser Land, verdorrt unsere kehlen.
Dein Name veränderte sich mit der Zeit.
Deine Tür, rot gestrichen, wirkt so ordentlich sauber.
Dein Gesicht hast du gestern seines Zaubers befreit.