© tauReif
 

Gepokert

Ich hab mit Gott gepokert, in einer dunklen Kneipe.
Ins Hinterzimmer hatte ich Ihn gelockt.
Er mischt alle Karten, weiß jeden Stich den ich übe,
sieht den Golem, der in meiner Stube hockt.
Wollte mit Ihm spielen – mit gezinkten Karten.
Hab geblufft und mich schon wie ein Sieger gefühlt,
doch alle Asse verwischte ich mit meinen Fingern:
Fünfmal die Sieben, die haben mich abgekühlt.

Ich mochte nichts erkennen, verräuchert war das Zimmer,
und der Schweiß lief durchs Hemd in die Stiefel hinein.
Sah meine Felle wegschwimmen, konnt’ mich nur noch betrinken.
Wem gefällt’s schon, ein Verlierer zu sein?
Halb drei lag ich am Boden in einer finst’ren Kneipe.
Im Hinterzimmer bin ich aus Träumen erwacht.
Jesus hielt meine Hand und flüsterte leise:
„Mein Freund, du hast nicht an die Liebe gedacht.“

„Ach, hilf mir, Gott!“, so schrie ich, “Erfüll mir meine Wünsche!“
Doch Er sagte nur sanft, unsre Karten im Blick:
„Du kannst nur eins, mich verachten, oder aufrichtig lieben,
bloß eins kannst du nicht, vor’s Spiel zurück.“
Ich hab mit Gott gepokert in einer finst’ren Kneipe,
war betrunken von mir, und Gott sagt zu dem Kind:
„Ich laß das Spiel dich verlieren, ganz gleich was du tust,
damit du dadurch das Leben gewinnst.“